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Rückblick: InnoSÜD-Workshop „Agiles Produkt- und Projektmanagement mit Scrum“ am 5. Oktober 2018 bei Wieland in Ulm

05.10.2018

Schnell, flexibel und ohne Rücksicht auf Hierarchien: So sollen Teams mit der innovativen Scrum-Methodik Projekte umsetzen können. Das Rahmenwerk für agiles Produkt- und Projektmanagement hat seinen Ursprung in der Software-Entwicklung, stößt aber inzwischen auch in anderen Bereichen auf breites Interesse. Unternehmen, die mit diesem Ansatz bereits arbeiten oder dies vorhaben, trafen sich deshalb am 5. Oktober zum mittlerweile dritten Workshop „Agiles Produkt- und Projektmanagement mit Scrum“ bei der Firma Wieland in Ulm. Organisiert wurde der Workshop durch Prof. Dr. Oliver Grieble und Simone Reschka von der Hochschule Neu-Ulm im Rahmen des regionalen Forschungs- und Transferverbunds InnoSÜD. In drei Workshops beschäftigten sich die knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Region mit der praktischen Anwendung von Scrum-Meetings, mit Werten in Scrum und mit der Frage, wie die Methode auf mehrere Teams ausgeweitet werden kann. Der nächste Workshop ist für Februar 2019 geplant, bis dahin können sich Interessierte in einer neu gegründeten XING-Gruppe austauschen: Der Community „Agile Produkt- und Systementwicklung + Scrum“, Ulm/Oberschwaben, InnoSÜD.

„Unsichere Randbedingungen lieben lernen“ – so definierte Gastgeber Dr. Till Merkel, Managing Director der Wieland-Tochter Wicoatec, die Herausforderung der Arbeit mit Scrum. In seiner Begrüßung berichtete er aus seiner eigenen Erfahrung mit Scrum, dass agiles Projektmanagement über eine reine Management-Methode hinausgehe: „Es geht um mehr als darum, bunte Zettelchen richtig zu kleben – es geht um das Mindset, die Grundsätze der Organisation.“

Wie sich die Umstellung auf agile Methoden auf diese Grundsätze auswirkt, davon berichtete Carmen Knippenberg von Robert Bosch Power Tools GmbH in ihrem Praxisbeispiel. Vor dreieinhalb Jahren begann man dort in einer von sechs sogenannten Business Units mit der agilen Transformation, inzwischen arbeiten alle sechs nach agilen Methoden. Was sie bei dieser Umstellung gelernt habe? „Die agile Transformation ist auch eine kulturelle Transformation.“

Diese Transformation fordere von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern große Bereitschaft zur Veränderung – dabei sei nicht alles neu, was durch die Umstellung in den Vordergrund gerückt sei: „Wichtige Werte in der Arbeit mit Scrum wie Vertrauen und Transparenz waren bei uns schon immer Firmenwerte, die wir uns jetzt nur neu in Erinnerung rufen.“

 

Workshops zu täglichen Meetings, Werten und Skalierung von Scrum

Mit dem Verweis auf agile Werte führte Carmen Knippenberg inhaltlich schon an einen der drei Workshops heran, zwischen denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss wählen konnten. Prozessbegleiter und Coach Ralf Besser näherte sich in seinem Workshop ebenfalls den Werten in Scrum. Denn, so erklärte Besser: „Menschen sollen ihren Sinn in der neuen Arbeitsweise finden. Diesen Sinn geben Werte. Man muss sie aber emotional reflektieren und vermitteln, nicht nur kognitiv.“ Dafür stellte er eine Fülle von interessanten und effektiven methodischen Ansätzen vor, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilweise live erleben konnten.“

Um die praktische Umsetzung der Scrum-Meetings ging es im Workshop von Christian Besserer von GehrigBesserer. Er betreut Teams als Scrum-Master, unter anderem für Unternehmen aus dem Einzelhandel. Sein Ziel? „Teams dazu bringen, das zu erreichen, was sie erreichen wollen.“ Wie die Scrum-Meetings und deren Elemente dazu im Alltag eingesetzt werden können und was es dabei zu beachten und zu vermeiden gilt, vermittelte er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in seinem Workshop.

An Scrum-erfahrene Teilnehmer wandte sich Agile Coach Björn Radon in seinem Workshop zur Skalierung von Scrum. Die zentrale Frage bei ihm lautete: Kann man mit mehreren Teams mit Scrum arbeiten? Radons Antwort? Ja – Scrum lasse sich zum Beispiel mit dem Skalierungsrahmenwerk LeSS ohne größere Veränderungen auf bis zu 8 Teams ausweiten. Neben solchen praktischen Umsetzungsfragen betonte er in der Abschlussrunde außerdem die Bedeutung der Werte hinter dem Scrum-Prinzip: „Entscheidend ist, welche Werte wir leben – nicht, über welche wir reden.“

 

Positives Feedback nach drittem Workshop – weitere geplant

Das Feedback der Abschlussrunde fiel durchweg positiv aus: Die Workshop-Reihe der Hochschule Neu-Ulm ermögliche vor allem den Blick über den Tellerrand und den Austausch mit anderen Branchen. Für diesen Austausch hätten sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar noch mehr Zeit gewünscht, weshalb auch eine Weiterführung des Austauschs in einer XING- oder WhatsApp-Gruppe als Idee aufkam. Dass die Veranstaltungsreihe in kleinen Zyklen, also nach dem Scrum-Prinzip der Sprints, aufgebaut war, fand ebenfalls Anklang.

Der Workshop-Tag war der dritte in einer Reihe von Veranstaltungen zum agilen Produkt- und Projektmanagement, zu denen die Hochschule Neu-Ulm geladen hatte. Im Rahmen des regionalen Verbundprojekts InnoSÜD werden weitere Workshops und Veranstaltungen folgen, bei deren Vorbereitung sich Prof. Grieble vom Feedback der Abschlussrunde inspirieren lassen will.

„Die Idee, Anwender aus der Region mit Interesse an Scrum und Agilen Methoden zu versammeln, war von Anfang an die richtige Maßnahme. Die Workshop-Teilnehmer sind „dran am Thema“ und tragen mit ihren zahlreichen Beiträgen und Fragen zum Gelingen der Workshops bei“, so Prof. Grieble am Rande der Veranstaltung bei Wieland. „Im Rahmen der Veranstaltungen entsteht eine eigene Dynamik und die Teilnehmer erarbeiten gemeinsam Ergebnisse, die sie wiederum mit zurück in ihre Unternehmen bringen.“

 

Hintergrund: InnoSÜD – Ein Verbundprojekt für Innovationstransfer in der Region Donau-Iller-Riß

Mit innovativen Transferformaten einen nachhaltig wirksamen Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen, das ist das Ziel des Hochschulverbundes InnoSÜD. Im Rahmen der Initiative Innovative Hochschule haben sich darin die Hochschulen Biberach, Neu-Ulm, Ulm und die Universität Ulm zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie ein dynamisches Innovationssystem schaffen, das die Region Donau-Iller-Riß als Bindeglied zwischen den Metropolregionen Stuttgart und München mittelfristig unter den wettbewerbs- und innovationsfähigsten Räumen Europas positioniert. Im Fokus stehen dabei die für die Region wichtigen Themenfelder Energie, Mobilität, Gesundheit und Biotechnologie sowie Transformationsmanagement. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt im Rahmen der Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschule mit 14 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren.

 

Über Wieland

Wieland ist ein weltweit führender Anbieter von Halbfabrikaten aus Kupfer und Kupferlegierungen. Mit einem globalen Netz aus Produktionsstätten, Service- und Handelshäusern bietet das Unternehmen ein breites Produkt-, Technologie- und Serviceportfolio. Vom Prototyp bis zur Serienfertigung entwickelt Wieland Lösungen für Automotive, Elektronik, Kälte- und Klimatechnik und weitere Branchen. Durch hochleistungsfähige Kupferwerkstoffe treibt Wieland den Erfolg seiner B2B-Kunden in Zukunftsfeldern wie Elektromobilität, Konnektivität oder Urbanisierung voran. Hohe technische Kompetenz, kundenorientiertes Denken und Nachhaltigkeit bestimmen das Handeln und begründen seit 1820 den Erfolg des Unternehmens.

 

Ansprechpartnerin:

Simone Reschka, Hochschule Neu-Ulm,
E-Mail:  Simone.Reschka@hs-neu-ulm.de